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Aussäen im Gewächshaus

Der frühe Start in die Gartensaison für Fortgeschrittene

Die Aussaat im Gewächshaus ist im Gegensatz zu der Direktsaat draußen im Gartenbeet schon etwas kniffliger. Damit die kleinen Pflänzchen später auch zu starken Pflanzen heranwachsen, die zur Erntezeit einen guten Ertrag bringen braucht es schon einiges an Erfahrung. Doch die erhält man bekanntermaßen nur, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. In diesem Artikel möchten wir Ihnen daher alle Informationen an die Hand geben, die Sie brauchen, um zukünftig ein erfolgreicher Gewächshausgärtner zu werden.
(Header-Foto: iStock.com/surachetkhamsuk)

Nicht zu früh mit der Aussaat starten

Wann der richtige Zeitpunkt ist, um mit der Aussaat zu beginnen, hängt von der Ausstattung und den Heizungsmöglichkeiten Ihres Gewächshauses ab. Denn neben der richtigen Aussaatzeit ist es wichtig, dass auch an kalten Tagen im Haus die richtige Temperatur herrscht, damit die Samen auch keimen und die jungen Pflänzchen keinen Kälteschock bekommen. Haben Sie keine Möglichkeit Ihr Gewächshaus zu beheizen, sollten Sie wärmebedürftige Samen lieber im Haus auf der Fensterbank vorziehen und die jungen Pflanzen später, wenn die Außentemperaturen es zulassen ins Gewächshaus umsetzen. Das ist zwar nicht die beste Lösung, da der Lichtmangel in Innenräumen dazu führt, dass die jungen Pflanzen lange, dünne und weiche Triebe bilden. Aber immer noch besser, als in einer zu kalten Umgebung aufwachsen zu müssen. Ist Ihr Gewächshaus aber mit einer Heizmöglichkeit ausgestattet, bietet es die idealen Bedingungen für das frühe Aussäen und die Vorkultur von Pflanzen die eine lange Entwicklungszeit haben, wie z.B. viele Kohlarten, Tomaten oder Paprika. Hier ist es durch die Heizung schön warm und durch die Glasscheiben kann von allen Seiten das Licht herein.

Doch egal wie ideal das Drumherum auch sein mag, jede Pflanze hat ihre eigene „richtige“ Aussaatzeit an die Sie sich auch halten sollten. Viele Anfänger vergessen nämlich, dass es in der Regel bis Mitte Mai dauert, bis die Jungpflanzen in den Garten umgesetzt werden können. Wer da zu früh mit der Aussaat anfängt, riskiert, dass die Sämlinge nach einiger Zeit kümmern, weil sie irgendwann keinen Platz mehr zum Wachsen haben. Halten Sie sich dagegen an den Aussaatzeitpunkt, der hinten auf jedem Sämereientütchen abgedruckt ist, können Sie Ihre jungen Pflanzen knackig, kräftig und in der richtigen Größe nach den Eisheiligen ins Freie umsetzen. Wie Sie sehen, wird bei der Aussaat im Gewächshaus nicht der Schnellere belohnt, sondern derjenige, der Rücksicht auf die Belange seiner Pflanzen nimmt.

In diesen Aussaatgefäßen fühlen sich die Samen wohl

Am besten klappt die Anzucht im Gewächshaus, wenn Sie die Sämereien in Aussaatgefäße ausbringen. So sind die jungen Pflänzchen später beweglicher und Sie können bei Bedarf auch schnell einmal alles umstellen. Gut eignen sich z.B. Saatkisten und Kunststoffplatten. Aber wer die gerade nicht zur Hand hat, oder sie nicht extra anschaffen möchte, dem kann auch ein etwas größerer Topf gute Dienste leisten. Auch Joghurtbecher – natürlich vorher gespült - sind als Aussaatgefäße brauchbar, allerdings nicht ganz so praktisch, denn bei ihnen müssen Sie für einen Wasserabzug am Boden sorgen. Und das kann bei sehr dünnen Plastikbechern schon mal eine Herausforderung sein. Doch egal, für welches Gefäß Sie sich letzten Endes entscheiden, das oberste Gebot ist immer, dass alle Gefäße sauber und frei von Erd- oder Speiseresten sind. Diese können nämlich Schimmel oder andere Pilzkrankheiten übertragen und bieten kleinen Schädlingen eine Überwinterungsmöglichkeit. Und wenn die sich erst einmal über die Samen oder die empfindlichen Jungpflanzen hermachen, war die ganze Mühe schnell umsonst.

Ein gemütliches Bett aus Anzuchterde

Damit die Erde bei der Aussaat nicht zu kalt ist, hat es sich bewährt, sie schon einige Tage vorher ins Gewächshaus zu bringen. Allerdings ist normale Blumenerde für die Anzucht von Pflanzen gar nicht geeignet. Pflanzensamen sind sehr anspruchsvoll, wenn es um das richtige Substrat geht. Nur feinkrümelige Spezialerde erfüllt ihre Anforderungen, denn manches Samenkorn ist so klein, dass es grobe Erdbrocken – wie sie oft in Blumenerde vorkommen – nicht durchstoßen kann. Komposterde ist übrigens auch kein guter Ersatz.

Die Anzuchterde füllen Sie dann in Ihre Saatgefäße, drücken sie an den Rändern an und ebnen alles sorgfältig ein.

Kreuz und quer aussäen oder besser in Reih und Glied?

So weit so gut. Aber wie sät man denn jetzt richtig aus? Die Frage ist berechtigt, denn es ist nicht egal, wie Sie die Samen in die Gefäße setzen. Sät man nämlich einfach breitwürfig in eine Anzuchtschale, dann wachsen die Wurzeln auch breit und unkontrolliert. Spätestens beim Pikieren – also dem Vereinzeln – wird das zu Problemen führen. Die zarten Wurzeln, die kreuz und quer wachsen, werden beim Herausheben der kleinen Pflanzen teilweise abgerissen. Danach braucht es einige Zeit, bis die Wurzeln sich wieder regeneriert haben. Und bis es so weit ist, wachsen die oberirdischen Teile dieser Sämlinge kaum.

Besser geeignet fürs Aussäen sind Topfplatten. Hier hat jeder Sämling sozusagen einen eigenen kleinen Topf, in dem er ungestört seine Wurzeln bilden kann. Beim späteren Pikieren werden die haarfeinen Wurzeln nicht beschädigt und die Pflanzen wachsen nach dem Umsetzen sofort weiter. Jetzt werden Sie sich sicher berechtigterweise fragen, wie viele Samen denn in eines dieser Töpfchen gehören. Die Antwort ist einfach. In jeden Topf gehören zwei bis drei der kleinen Körner, damit auch sicher eine Pflanze entsteht.

Doch auch wenn Sie keine Topfplatten haben, bedeutet das nicht, dass Sie Ihren Traum von den selbst gezogenen Pflanzen begraben müssen. Auch in Anzuchtschalen gelingt die Aussaat – Sie brauchen nur aus den oben beschriebenen Gründen etwas mehr Geduld. Bei besonders feinen Samen, die nur aus winzigen Körnchen bestehen, verteilen Sie das Saatgut gleichmäßig auf der Erde und drücken die Körnchen mit einem kleinen Brett an. Größere Samen sollten Sie stattdessen in Reihen aussäen und anschließend, wie auch bei der Aussaat direkt ins Beet, mit einer dünnen Schicht Erde bedecken. Der Gärtner kennt hier natürlich auch wieder eine Faustregel: ist die Schicht ungefähr so dick wie das Samenkorn, das sie bedecken soll, haben Sie alles richtiggemacht.

Jetzt brauchen Sie die Gefäße nur noch wasserfest zu beschriften. Denn auch für den Profi sind die gerade keimenden Pflänzchen oft nur schwer auseinanderzuhalten. Hat jede Reihe Ihr Namensschild, können Sie Ihre Aussaat angießen. Damit die Samenkörner aber nicht wieder aus der Erde herausgespült werden, benutzen Sie zum Gießen am besten eine sehr feine Brause. Anschließend decken Sie die Gefäße bis zur Keimung der Samen mit einer Glasscheibe oder Folie ab. Ein kleiner Spalt zwischen dem Gefäß und seiner Abdeckung sorgt in dieser Zeit für den Luftaustausch. Damit es den Samen nicht zu heiß unter der Scheibe wird, legen Sie einfach an sonnigen Tagen eine Lage Zeitungspapier über die Abdeckung. Die Zeitung spendet den Samen angenehmen Schatten.

Die Aussaat ist vollbracht – und jetzt?

Jetzt ist Ihr „grüner Daumen“, gefragt! Denn nun beginnt die schwierigste Phase im Leben der jungen Pflänzchen. Sobald die ersten Keimlinge erscheinen, brauchen sie viel Licht. Es ist also Zeit, die Abdeckungen abzunehmen, damit die Sämlinge auch wachsen und gedeihen können. Sie benötigen volles Tageslicht, dürfen aber nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden und vor allem nicht austrocknen. Deshalb ist rechtzeitiges Schattieren im Gewächshaus sehr wichtig. Natürlich ist es bei einem kompletten Gewächshaus nicht so einfach, wie vorher mit der Zeitung auf der Glasscheibe. Aber das Prinzip bleibt immer das gleiche. Die Scheiben müssen abgedeckt werden, damit die Sonne nicht mehr durch das Glas brennen kann. Statt der Zeitung nimmt man sogenannte Schattierleinen, die Sie an sonnigen Tagen von außen auf das Gewächshaus legen. So lange die Sonne noch nicht ihre volle Kraft hat, ist das die einfachste Lösung. Aber ab Mai, wenn die Sonne intensiver scheint, ist das ständige Auf- und Abdecken der Leinen doch sehr mühsam. Greifen Sie deshalb zum Pinsel und streichen Sie Ihr Gewächshaus von innen mit einer weißen Schattierfarbe. Diese abwaschbare Farbe schützt Ihre Tomaten oder Gurkenpflanzen, die auch den Sommer im Gewächshaus verbringen, zuverlässig vor zu viel Sonneneinstrahlung. Im Herbst, waschen Sie den Anstrich dann einfach wieder ab.

Stehen in Ihrem Gewächshaus große Kübelpflanzen zur Überwinterung, lauern aber noch weitere Gefahren für Ihre jungen Pflänzchen. Denn Spinnmilben, weiße Fliegen oder andere Überwinterungsschädlinge lieben junges, zartes Pflanzengewebe. Haben Sie deshalb Ihre Überwinterungskandidaten immer im Blick und handeln Sie sofort, wenn es an ihnen zu krabbeln beginnt. Hilfreich sind im Handel erhältliche Helfer des biologischen Pflanzenschutzes wie z.B. Gelbtafeln. So entgeht Ihnen nicht, wenn sich ungebetene Untermieter in Ihrem Gewächshaus häuslich einrichten, die den ausgesäten Pflanzen gefährlich werden könnten.

Fazit: Wer Neues wagt, kann nur gewinnen

Auch wenn die Aussaat im Gewächshaus nicht zu den „Anfänger-Tätigkeiten“ im Garten gehört, sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Denn nur wer Neues ausprobiert kann auch wachsen. Und Meistergärtner fallen niemals vom Himmel – auch nicht, wenn Ihnen Ihr Nachbar das weiß machen will. Jeder Versuch, auch die, die vielleicht zu einem Misserfolg führen, lassen uns für die Zukunft lernen. Und beim nächsten Mal, mit der Erfahrung vom vergangenen Jahr, klappt es dann plötzlich doch. Trauen Sie sich einfach und werden Sie Schritt für Schritt zum Aussaatprofi!



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