Kräuter vermehren: Stecklinge, Teilung und Absenker

Viele mehrjährige Kräuter lassen sich durch vegetative Vermehrung ganz einfach vervielfältigen – mit einem entscheidenden Vorteil: Die Nachkommen haben exakt dieselben Eigenschaften wie ihre Elternpflanzen, denn im Grunde sind sie Klone. So kannst du sicherstellen, dass deine neuen Pflanzen bestimmte erwünschte Eigenschaften wie besondere Blattfärbungen, Blütenfarben oder Wuchsformen zuverlässig beibehalten.

Warum vegetative Vermehrung bei Kräutern sinnvoll ist

Bei manchen Kräutern wie einigen Minzearten ist die vegetative Vermehrung besonders wichtig, weil durch Aussaat vermehrte Pflanzen in ihren Eigenschaften oft erheblich von den Elternpflanzen abweichen. Wer also eine bestimmte Minzsorte mit einem charakteristischen Aroma oder einer besonderen Blattfärbung erhalten möchte, sollte diese durch Stecklinge oder Teilung vermehren. Dasselbe gilt für viele Thymian-, Salbei- und Lavendelkultivare, die durch Aussaat nicht sortenecht reproduziert werden können. Die vegetative Vermehrung ist zudem schneller als die Aussaat und liefert in der Regel kräftigere Jungpflanzen, die rascher anwachsen und früher geerntet werden können.

Stecklinge, Absenker und Teilung im Überblick

Die Vermehrung durch Stecklinge erfolgt im späten Frühjahr oder Frühsommer: Triebspitzen von etwa 8 bis 10 cm Länge werden abgeschnitten, die unteren Blätter entfernt und die Stecklinge in feuchte Anzuchterde gesteckt. Absenker eignen sich besonders für Kräuter mit langen, biegsamen Trieben wie Rosmarin oder Thymian: Ein Trieb wird auf den Boden gedrückt, mit einem Haken fixiert und mit Erde bedeckt. Nach einigen Wochen hat er Wurzeln gebildet und kann abgetrennt werden. Die Teilung ist die einfachste Methode und eignet sich für büschelartig wachsende Kräuter wie Schnittlauch, Minze oder Zitronenmelisse: Die Pflanze wird im Frühjahr oder Herbst ausgegraben, in mehrere Teile geteilt und wieder eingepflanzt.

Zeitpunkt und Pflege nach der Vermehrung

Die vegetative Vermehrung von Kräutern erfolgt in der Regel im späten Frühjahr, Frühsommer oder Frühherbst. Stecklinge und Absenker brauchen in den ersten Wochen nach der Vermehrung besondere Aufmerksamkeit: Du musst sie gleichmäßig feucht halten, darfst sie aber nicht in die pralle Sonne stellen, da sie noch keine ausreichenden Wurzeln haben, um die Wasserverdunstung auszugleichen. Ein heller, aber schattiger Standort ist ideal. Sobald die Jungpflanzen gut angewachsen sind und neue Triebe bilden, kannst du sie an ihren endgültigen Standort pflanzen. Geteilte Pflanzen erholen sich in der Regel schnell und treiben kräftig aus.

Gaertner Poetschkes Tipp: Vermehre Minze immer vegetativ durch Teilung oder Stecklinge – durch Aussaat entstehen Pflanzen, die in Aroma und Wuchsform stark von der Mutterpflanze abweichen können.

Häufig gestellte Fragen

Welche mehrjährigen Kräuter lassen sich am einfachsten durch Teilung vermehren?

Schnittlauch, Minze, Zitronenmelisse und Liebstöckel lassen sich besonders einfach durch Teilung vermehren. Die Pflanzen werden im Frühjahr oder Herbst ausgegraben, in mehrere Teile geteilt und sofort wieder eingepflanzt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für Kräuter-Stecklinge?

Stecklinge von Kräutern wie Rosmarin, Thymian und Salbei werden am besten im späten Frühjahr oder Frühsommer geschnitten, wenn die Triebe noch nicht verholzt sind. Auch im Frühherbst ist eine Vermehrung möglich.

Gärtner Pötschkes Neues Großes Gartenbuch

Seiten: 293

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