Untersuchungsmethoden für Gartenböden

Ohne Kenntnisse über Beschaffenheit und Nährstoffgehalt deines Gartenbodens bleibt gute Bodenpflege Glückssache. Die gute Nachricht: Einfache Bodenanalysen kannst du selbst durchführen. Hierfür stehen dir praktikable Methoden zur Verfügung, für die du weder chemische Hilfsmittel noch komplizierte Apparaturen benötigst.

Wissenswertes im Überblick

Eine gute Bodenpflege gelingt nur, wenn du über möglichst umfassende Kenntnisse der Beschaffenheit und des Nährstoffgehaltes deines Gartenbodens verfügst. Einfache Bodenanalysen kannst du selbst durchführen. Hierfür stehen dir einige praktikable Methoden zur Verfügung, für die du weder chemische Hilfsmittel noch komplizierte Apparaturen benötigst. Im Folgenden stelle ich sie kurz vor:

Die Fingerprobe

Keine Bodenanalyse ist so einfach durchzuführen wie die Fingerprobe. Sie gibt Aufschluss darüber, um welche Bodenart es sich bei deinem Gartenboden handelt. Für die Fingerprobe nimmst du eine Handvoll feuchter, aber nicht regennasser Erde, drückst sie fest zusammen und betrachtest das Ergebnis.

Stark tonhaltige Böden lassen sich gut kneten. Ein daraus geformtes Kügelchen wird bei der Trocknung hart und kompakt, ohne auseinanderzufallen. Solche Böden brauchen einen Ausgleich durch Sand und Humus, um zu guten Gartenböden zu werden.

Schluff- oder Lehmboden, der ideale Gartenboden, lässt sich ebenfalls gut kneten, hat aber eine etwas gröbere Struktur, da er eventuell mit Steinchen und Humusanteilen durchsetzt ist. Er zerbröselt beim Trocknen schneller als Tonboden. Gelegentliche Gaben von Kompost und anderen organischen Düngern fördern eine positive Entwicklung und erhöhen die Fruchtbarkeit dieses Bodens.

Sandboden lässt sich weder formen noch kneten, hat eine fühlbare Körnchenstruktur (Quarzkristalle) und rieselt beim Trocknen durch die Finger. Er trocknet sehr schnell aus, ist extrem durchlässig und kann durch die Beigabe von Lehm und Humus bindiger gemacht werden.

Humusboden ist nicht mineralischen Ursprungs, sondern entsteht durch das Verrotten von abgestorbenem Pflanzenmaterial. Bei ihm sind daher die faserigen, organischen Bestandteile gut erkennbar. Er ist reich an Nährstoffen und hält die Feuchtigkeit gut. Durch die Beimischung von Sand wird er durchlässiger.

Die Schlämmprobe

Durch die Fingerprobe kannst du schnell feststellen, um welche Bodenart es sich in deinem Garten handelt. Sie gibt dir jedoch keine Auskunft darüber, in welchen Anteilen Sand, Lehm, Ton und Humus im Boden vorkommen. Dazu machst du die sogenannte Schlämmprobe. Du gibst dazu etwa ein Drittel Erde aus der Oberbodenschicht in ein Glas zu zwei Dritteln Wasser, rührst das Gemisch gründlich um und lässt es einige Zeit ruhig stehen. Die Bodenbestandteile setzen sich nun in Schichten am Grund der Flüssigkeit ab. Am schnellsten sinkt der Sand zu Boden. Lehm löst sich auf und bildet eine trübe Brühe, die sich aber bald darauf über der Sandschicht als Schlamm absetzt. Ton dagegen ist schwerer löslich als Lehm und bildet meist Klümpchen. Die faserigen, leichten Humusanteile dagegen trüben das Wasser über einen längeren Zeitraum – bis zu drei Wochen können sie über den absedimentierten Mineralschichten im Glas schweben. Lässt du das Glas so lange stehen, bis sich alle Schwebstoffe abgesetzt haben, kannst du mit einem Blick die Volumenanteile der jeweiligen Bestandteile – oft farblich voneinander getrennt – in der Bodenprobe erkennen.

Die Bodenhorizontprobe

Als Bodenhorizonte bezeichnet man die einzelnen Bodenschichten, die beim Ausheben eines Loches sichtbar werden. Dieser einfache Test kann dir Aufschluss über die Bodenart, den Aufbau und die Stärke der Schichten, den Humusgehalt und die biologische Aktivität des Substrates geben. Für die Bodenhorizontprobe gräbst du ein etwa 50 cm tiefes Loch und stichst eine der senkrechten Wände sauber mit dem Spaten ab, so dass die Schichtung des Bodens gut zu erkennen ist. Sie liegt jetzt wie ein offenes Buch vor dir.

Meistens wird die oberste Schicht die humusreichste und biologisch aktivste sein. Du erkennst das daran, dass die Erde hier dunkel gefärbt ist, würzig nach Kompost oder Waldboden riecht und von zahlreichen Lebewesen durchsetzt ist. Am auffälligsten sind dabei gewiss die nützlichen Regenwürmer. Die Dicke der humusreichen Oberbodenschicht kann stark variieren. Je weiter sie in die Tiefe reicht, desto besser ist der Gartenboden für eine intensive Nutzung geeignet. Riecht die oberste Bodenschicht jedoch dumpf, faulig oder muffig, fehlt es an Sauerstoff. Auf solch einem Boden gedeihen deine Pflanzen nur schwerlich. Hier muss durch Lockerung und tief wurzelnde Gründüngungspflanzen eine Bodenbelebung erfolgen. Die tiefer liegenden Schichten setzen sich in der Regel optisch deutlich von der biologisch aktiven Deckschicht ab. Sie sind meist reicher an Steinen, Sand, Lehm oder Ton, heller und stärker verdichtet.

Test auf Staunässe

Mit der Bodenhorizontprobe kannst du auch feststellen, ob dein Gartenboden zu Staunässe neigt. Als Staunässe bezeichnet man einen mangelnden Abfluss des Niederschlags- oder Gießwassers im Bereich des Oberbodens. Dafür verantwortlich sind Sperrschichten aus verdichtetem Lehm oder Ton. Staunässe führt zu einem Sauerstoffmangel im Boden und ist für die meisten Gewächse schädlich. Bei extremer Staunässe beginnen die Wurzeln zu faulen, was unweigerlich zum Absterben der Pflanze führt. Und so findest du heraus, ob dein Boden zu Staunässe neigt: Fülle die für die Bodenhorizontprobe ausgehobene Grube mit Wasser. Dieses sollte nach kurzer Zeit versickert sein. Ist dies nicht der Fall und staut sich das Wasser über längere Zeit, so rate ich unbedingt zu Ausgleichsmaßnahmen wie einer tiefgründigen Bodenlockerung oder einer Drainage.

Die pH-Wert-Messung

Die wohl am einfachsten selbst durchführbare chemische Analyse ist die Messung des pH-Wertes. Er gibt Auskunft über den Säuregehalt des Bodens und des Regenwassers. Die Untersuchung des Regenwassers ist besonders in Regionen sinnvoll, wo saurer Regen eine Gefahr für die Bodengesundheit darstellt. Dieser verändert mit der Zeit das Bodenmilieu, zerstört die Krümelstruktur des Bodens, fördert die Bodenverdichtung und wäscht Nährstoffe aus. Zur Messung des pH-Wertes gibt es Teststreifen, Flüssigkeiten, Sonden und spezielle Kalkmesstests als einfach zu handhabende Sets. Ähnliche Testsets gibt es auch für die Bestimmung des Kali-, Stickstoff- und Phosphatgehaltes im Boden.

Guter Gartenboden sollte einen relativ neutralen pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 aufweisen. Ein höherer pH-Wert weist auf einen basischen oder alkalischen (kalkigen) Boden hin, auf dem nicht alle Pflanzen gleich gut gedeihen. Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Azaleen, Heidekraut, Heidelbeeren und Preiselbeeren fühlen sich dagegen in einem Boden mit einem niedrigeren pH-Wert zwischen pH 4,5 und pH 5,5 wohler. Ein zu saurer Boden kann durch Kalkpräparate, wie z. B. Algenkalk oder kohlensauren Kalk, auf einen akzeptablen pH-Wert gebracht werden. Zur Untersuchung des pH-Wertes von Regenwasser genügt es, einen Teststreifen in eine Regenwasserprobe zu halten. Regenwasser mit einem pH-Wert unter 5,5 gilt als sauer und sollte nicht zum Wässern des Gartens verwendet werden.

Praktischer Kalzit-Test

Der am häufigsten verwendete Kalktest zur Anwendung zu Hause ist der Kalzit-Test. Er gibt an, wie viel Kalk bei einer Versauerung des Bodens zugegeben werden muss. Das Testset besteht aus zehn Testtabletten, einem kleinen Reagenzglas mit Stopfen, einem Fläschchen mit destilliertem Wasser und einer Farbtafel. Zur allgemeinen Analyse des Gartenbodens entnimmst du aus einer Tiefe von 20 bis 50 cm an verschiedenen Stellen im Garten Bodenproben und vermischst diese miteinander. Anschließend füllst du das Reagenzgläschen etwa 1 cm hoch mit der Mischung, gibst eine Testtablette und etwa zwei Milliliter destilliertes Wasser hinzu, verschließt das Glas mit dem Stopfen und schüttelst es gründlich, bis die Testtablette sich aufgelöst hat. Nach einigen Minuten klärt sich die Lösung und färbt sich charakteristisch. Anhand der mitgelieferten Farbtafel kannst du die Farbe einem Messwert zuordnen. Da der Boden an einzelnen Stellen im Garten auch verschiedene pH-Werte aufweisen kann, testest du für Spezialkulturen die für die Pflanzung vorgesehene Stelle am besten direkt, ohne die Erde mit Proben aus anderen Gartenbereichen zu vermischen.

Gärtner Poetschkes Tipp: Teste für Spezialkulturen wie Rhododendren oder Heidelbeeren den pH-Wert direkt an der vorgesehenen Pflanzstelle, ohne die Erde mit Proben aus anderen Gartenbereichen zu vermischen – so erhältst du präzise Werte für die optimale Standortvorbereitung.

Häufig gestellte Fragen

Welche Bodenuntersuchungen kann ich selbst durchführen?

Du kannst die Fingerprobe zur Bestimmung der Bodenart, die Schlämmprobe für die Mengenanteile von Sand, Lehm und Ton, die Bodenhorizontprobe für Humusgehalt und Schichtung sowie pH-Wert-Tests mit einfachen Teststreifen selbst durchführen.

Woran erkenne ich Staunässe im Gartenboden?

Fülle ein 50 cm tiefes Loch mit Wasser. Versickert es nicht innerhalb kurzer Zeit, liegt Staunässe vor. Dann sind tiefgründige Lockerung oder eine Drainage notwendig, damit deine Pflanzen nicht durch Sauerstoffmangel und Wurzelfäule geschädigt werden.

Gärtnerische Grundlagen – Band I (2008)

Seiten: 85

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