Spinnmilbe

Schädlingsbekämpfung Spinnmilbe

Botanischer Name

Verschiedene Gattungen und Arten

Familie

Spinnmilben (Tetranychidae)

Einordnung

An Pflanze saugend

Spinnmilben sind im Garten und Haus sehr häufig anzutreffende Schädlinge. Von den weltweit mehr als tausend verschiedenen Arten haben dabei vor allem zwei bei uns in Deutschland eine besondere Bedeutung, die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) und die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi). Obwohl die Tiere so winzig sind, dass man sie mit bloßem Auge nur sehr schwer erkennen kann, sind sie in der Lage, Pflanzen innerhalb kürzester Zeit stark zu schädigen. Es handelt sich um kleine, meist nur 0,5 mm große, eiförmige Milben, die je nach Jahreszeit gelbgrün, braun oder rot gefärbt sind und zwei dunkle, seitlich angeordnete Flecken auf ihren Rücken aufweisen. Speziell gegen Winter nehmen die Weibchen eine auffällig rote Farbe an, weshalb sie im Sprachgebrauch häufig auch als Rote Spinnen bekannt sind.

Spinnmilben leben bevorzugt auf den Blattunterseiten ihrer Wirtspflanzen. Dort stechen sie mit ihren zu Stechborsten umgewandelten Mundwerkzeugen das Pflanzengewebe an, um den zuckerhaltigen Pflanzensaft abzusaugen. Die betroffenen Zellen füllen sich mit Luft und werden anfänglich als helle Flecken auf den Blattoberseiten sichtbar. Bei fortschreitender Schädigung können sich die feinen Sprenkel jedoch schnell vergrößern und zu einer Fläche zusammenfließen. Aufgrund der gesteigerten Verdunstung durch die von den Spinnmilben angestochenen Blätter kommt es zum Vergilben und Vertrocknen des Laubs, welches zum Teil vorzeitig von den Pflanzen abgeworfen wird. Darüber hinaus werden die befallenen Blätter und Triebe bei einem starken Befall sehr häufig auch von einem feinen, weißen Gespinst überzogen. Es dient den Spinnmilben als Schutz und lässt ihre enge Verwandtschaft mit den Spinnentieren deutlich werden. Wobei aber nur die Gemeine Spinnmilbe zur Gespinstbildung in der Lage ist, die Obstbaumspinnmilbe bildet kaum Gespinste.

Spinnmilben legen im Frühjahr zwischen April und Mai ihre gelben bis roten, runden bis zwiebelförmigen Eier an den Blattunterseiten ihrer Wirtspflanzen ab. Hier schlüpfen anschließend auch die Larven. Bei hohen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit verläuft ihre Vermehrung besonders schnell. Dann treten sie in Massen auf, weil sich alle 1–2 Wochen eine neue geschlechtsreife Generation entwickelt. Pro Jahr können auf diese Weise unter optimalen Bedingungen 8–9 sich überschneidende Generationen gebildet werden. Und weil ein Weibchen bis zu 120 Eier ablegen kann, führt dies schnell zu entsprechend großen Beständen. Für die Pflanzen bedeutet das Wachstumsstockungen bis hin zum völligen Vertrocknen. Die Gemeine Spinnmilbe überwintert in Form ihrer roten Winterweibchen, bevorzugt in dichten Kolonien an abgefallenen und abgestorbenen Blättern, am Boden in Erdlöchern oder unter Rindenschuppen. Im Gewächshaus auch in geschützten Ritzen und Verstecken. Im Gegensatz dazu überwintert die Obstbaumspinnmilbe in Form ihrer roten Wintereier, die im Herbst zwischen September und Oktober auf der Rinde befallener Triebe abgelegt werden. Ihre Eier sind mitunter so zahlreich, dass die entsprechenden Stellen schon von weitem einen rötlichen Schimmer zeigen.



Vorbeugung und Bekämpfung

Um Spinnmilben das Leben schwer zu machen, sollten Sie für ein gutes Kleinklima sorgen. Eine sehr wirkungsvolle Methode der Vorbeugung ist es bereits, Ihre Pflanzen immer mit ausreichend Wasser zu versorgen und gleichmäßig feucht zu halten. Eine Mulchschicht hilft dabei, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. In trockenen Sommern empfiehlt es sich sogar, die Luftfeuchtigkeit vor Ort durch ein regelmäßiges Besprühen mit Wasser zu erhöhen, um die Aktivität der Spinnmilben einzuschränken. Denn eine hohe Luftfeuchte bietet den kleinen Tieren keine für sie günstigen Lebensbedingungen. In allen geschlossenen Räumen – wie zum Beispiel Gewächshäusern – lässt sich diese Maßnahme besonders gut umsetzen. Meist schränkt auch schon eine gründliche Pflege und Reinigung das Infektionsrisiko spürbar ein. Da Spinnmilben vor allem geschwächte und unter Nährstoffmangel leidende Pflanzen befallen, kommt ihrer Stärkung eine große Bedeutung zu. Achten Sie auf eine ausgewogene und kaliumbetonte Düngung, denn sie festigt das Gewebe und erhöht dessen Widerstandskraft gegenüber Schädlingen. Vermeiden sollten Sie dagegen eine stickstoffbetonte Düngung, denn sie lässt das Gewebe weich und damit anfällig werden. Legen Sie darüber hinaus besonderen Wert auf die Einhaltung individueller Standortansprüche. So steht den Pflanzen an einem optimal gewählten Standort immer ausreichend Licht und Luft zur Verfügung. Gewächshäuser sollten aus diesem Grund regelmäßig gelüftet werden. Manche schwören auch auf den Anbau von Knoblauch, Lauch und Zwiebeln in einer Mischkultur, was einem Befall von Spinnmilben ebenfalls vorbeugen soll.

Das Erkennen eines Befalls ist sicherlich der erste wichtige Schritt, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Denn je früher man diese ergreift, desto effektiver sind sie, da man mit ihnen eine übermäßige Vermehrung frühzeitig stoppt. Wie bereits erwähnt, sind die Tiere so winzig, dass man sie mit bloßem Auge nur sehr schwer erkennen kann. Zur genauen, regelmäßigen Beobachtung der Blattunterseiten sollte man sich deshalb eine Lupe zur Hilfe nehmen. Auch ein Wasserzerstäuber ist in diesem Zusammenhang ein sehr hilfreiches Mittel, denn durch das Besprühen mit Wasser lassen sich die feinen Gespinste der Spinnmilben gut sichtbar machen. Leicht befallene Pflanzen können in einem ersten Schritt mit einem scharfen Wasserstrahl abgebraust werden. Zimmerpflanzen können zu diesem Zweck problemlos in die Badewanne oder Dusche gestellt werden. Wiederholen Sie die Prozedur regelmäßig alle paar Tage, bis die Schädlinge verschwunden sind. Aber Vorsicht, sie sollte nur bei robusten und widerstandsfähigen Pflanzen angewandt werden. Im Idealfall stellt man sie danach an einen etwas kühleren Platz zurück. Lassen sich die Schädlinge nicht so einfach vertreiben, sollten alle betroffenen Blätter und Triebe entfernt werden, um eine weitere Verbreitung zu vermeiden. Auch alle unter den Kulturen befindlichen Pflanzenreste und Unkräuter werden beseitigt, da sie den Spinnmilben zur Überwinterung und als Zwischenwirt im Frühjahr dienen. Die Abfälle dürfen dabei keineswegs auf den Kompost geworfen werfen. Im Idealfall werden sie verbrannt oder – wenn das nicht möglich ist – über den Hausmüll entsorgt.

Eine biologische Bekämpfung von Spinnmilben ist mittels Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) möglich. Sie können sowohl im Freiland wie auch im Gewächshaus eingesetzt werden, haben aber im Letzteren meist eine bessere Wirkung. Raubmilben fressen Spinnmilben in jedem Wachstumsstadium – vom Ei, über die Larve bis hin zum erwachsenen Tier – und können auf diese Weise einer Massenvermehrung recht erfolgreich entgegenwirken. Denn auch versteckt lebende Spinnmilben werden aufgespürt und sicher bekämpft. Voraussetzung ist jedoch ein für sie günstiges Klima. Ideal sind Temperaturen um die 25 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit von 75 %, dann entwickeln sich die Nützlinge fast doppelt so schnell wie die Schädlinge. Die Anwendung der Raubmilben sollte grundsätzlich möglichst früh mit dem Auftreten der Spinnmilben erfolgen. In besonders anfälligen Kulturen kann ihr Einsatz sogar vorbeugend stattfinden.

Hilft gar nichts mehr, stehen im Handel natürlich auch spezielle Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Da Spinnmilben meist unter den Blättern sitzen, sind sie aber nur schwer zu erfassen. Bei einer chemischen Bekämpfung ist es daher wichtig, auch die Blattunterseiten gut zu benetzen. Mitunter können sogar mehrere Behandlungen notwendig werden. Um alle natürlichen Fressfeinde zu schonen, sollten ausschließlich nützlingsschonende Mittel angewendet werden. Alles andere wäre kontraproduktiv, da sich die Schädlinge ohne Gegenspieler sogar noch stärker entwickeln und weitervermehren könnten als vorher. Gut geeignet sind zum Beispiel das Neudorff Neudosan® Neu Blattlausfrei von Neudorff® auf der Basis von Kaliseife oder das Naturen® Schädlingsfrei von Celaflor® auf der Basis von Rapsöl. Letzteres erfasst auch die Eigelege der Spinnmilben, indem es bis in die kleinsten Rindenspalten und Schlupfwinkel vordringt und sie dort mit einem feinen Ölfilm überzieht, unter dem sie ersticken. Für Topf- und Zimmerpflanzen haben sich dagegen spezielle Pflanzenschutzstäbchen bewährt, wie zum Beispiel die Schädlingsfrei Careo® Combi-Stäbchen von Celaflor®. Sie werden einfach in die Erde gesteckt, wo sie ihren Wirkstoff nach und nach an die Wurzeln abgeben und so über Monate hinweg ihre schützende Wirkung entfalten. Grundsätzlich sollten Sie den Einsatz chemischen Pflanzenschutzmittel jedoch immer gut abwägen, da die Schädlinge relativ schnell Resistenzen gegen die Insektizide entwickeln und auf Dauer immun gegen eine solche Behandlung werden. Sie verliert dann ihre Wirkung. Können Sie auf den Einsatz spezieller Pflanzenschutzmittel nicht verzichten, sollten Sie diese vorbeugend mehrmals im Jahr wechseln.

Gärtner Pötschke

Häufiges Auftreten und Vorkommen der Spinnmilbe

Spinnmilben lieben trocken-warme Bedingungen und geschützte Standorte. Diese finden sie im Sommer sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus vor. Dort können sie an mehr als einhundert verschiedenen Gemüse-, Obst- und Zierarten ihre Schäden anrichten. Aber auch Zimmerpflanzen werden gerne befallen – vor allem im Winter, wenn die Heizungsluft ihnen optimale Voraussetzungen bietet. Denn es gibt viele verschiedene Arten, wovon einige sogar wirtsspezifisch sind. Am häufigsten anzutreffen ist die Gemeine Spinnmilbe. Sie ist weltweit verbreitet und ein großes Problem in Gewächshäusern. Von den dort angebauten Kulturen werden insbesondere Bohnen und Gurken sowie Rosen besonders gerne befallen. Die von ihr im Freiland verursachten Schäden fallen vergleichsweise gering aus, da sie nur in sehr heißen Sommern den Weg nach draußen sucht. Anders als die Obstbaumspinnmilbe, die ein bedeutender Schädling im Obstbau ist. Sie kommt bevorzugt auf Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaume und Zwetsche vor, kann aber auch Beerenobst wie Erdbeere, Himbeere, Johannisbeere, Stachelbeere und Wein sowie andere Bäume, Sträucher und Kräuter befallen.



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