Kirschfruchtfliege

Schädlingsbekämpfung Kirschfruchtfliege

Botanischer Name

Rhagoletis spp.

Familie

Bohrfliegen (Tephritidae)

Einordnung

An Pflanze fressend

Wenn die Kirschfruchtfliege am Werk ist, vergeht so manchem Gärtner der Appetit auf seine Kirschernte. Denn sie legt ihre Eier in die heranwachsenden Früchte, die dadurch ungenießbar werden. Im Frühjahr schlüpfen die Fliegen aus den im Boden befindlichen Puppen und gehen auf Nahrungssuche. Der genaue Zeitpunkt ist stark abhängig von der Bodentemperatur und fällt je nach Witterung in den Zeitraum von Mitte Mai bis Ende Juni. Die Schädlinge erinnern im Aussehen an kleine Stubenfliegen und werden bis zu 5 mm lang. Man erkennt sie recht gut an ihrem schwarzen Körper und an dem dreieckigen, gelben Schild auf ihrem Rücken. Die durchsichtigen Flügel weisen darüber hinaus eine charakteristische, dunkle Bänderung auf. Nach gut 10 Tagen beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Sie stechen die gerade von grün auf gelb umschlagenden Früchte an und legen dabei ihre Eier unter der Schale ab. Insgesamt kann jede einzelne Kirschfruchtfliege auf diese Weise bis zu 250 Früchte schädigen. Ihr Auftreten wird dabei durch trockene Luft und warme Temperaturen gefördert. Weitere 10 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven, die sich durch das Fruchtfleisch bis zum Kern fressen. Auch sie sind etwa 5 mm lang und besitzen einen weiß gefärbten Körper. Befallene Früchte beginnen von innen her zu faulen und fallen oft vorzeitig vom Baum. Sie wirken glanzlos und weisen am Stielansatz eine bräunliche, eingesunkene Stelle auf. Die Maden sind nach etwa 30 Tagen ausgewachsen und verlassen die inzwischen reif gewordenen Kirschen, um sich zur Verpuppung in den Boden einzugraben. Dort überdauern sie den Winter bis zum nächsten Frühjahr. Manche der Puppen können aber auch 2–3 Jahre in der Erde verbleiben.



Vorbeugung und Bekämpfung

Eine Bekämpfung der Kirschfruchtfliege durch chemische Pflanzenschutzmittel ist schon seit Jahren im Haus- und Kleingartenbereich nicht mehr erlaubt. Eine umweltfreundliche Alternative ist der Einsatz gelber Leimtafeln, wie zum Beispiel der Kirschmadenfallen von Neudorff®. Sie werden in die Bäume gehängt, sobald die Früchte beginnen sich gelb färben, was je nach Sorte ab Mitte Mai der Fall ist. Die Kirschfruchtfliegen werden von der Farbe der Tafeln angelockt, da die Schädlinge sie mit der Farbe reifender Früchte gleichsetzen. Ihre Oberflächen sind mit Leim bestrichen, wodurch die Fliegen beim Versuch der Eiablage kleben bleiben. Einige dieser Fallen werden zusätzlich mit einem speziellen Lockstoff präpariert, der eine besonders anziehende Wirkung auf die Tiere haben soll. Auch wenn Gelbtafeln einen Madenbefall nicht gänzlich verhindern, können sie ihn doch reduzieren und in Grenzen halten. Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, muss man dafür je nach Größe des Baumes aber mehrere Fallen aufhängen. Pro 1 Meter Baumhöhe werden 2 Tafeln empfohlen, die bevorzugt in den äußeren Kronenbereich der Südseite gehängt werden, da die Kirschen hier zuerst reifen. Mit Beginn der Erntezeit sollten sie jedoch wieder entfernt werden, damit keine Nützlinge an ihnen kleben bleiben. Dies ist insofern unproblematisch, als das an reifen Kirschen keine Eier mehr abgelegt werden.

Alternativ kann man Kirschfruchtfliegen auch an ihrer Eiablage hindern, indem man gefährdete Bäume mit einem engmaschigen Insektennetz schützt, wie es ansonsten im Gemüsebau verwendet wird. Lückenlos angebracht, können die Fliegen die feinen Maschen der Netze nicht durchdringen und dadurch die Früchte nicht erreichen. Diese Methode ist allerdings nur für kleine und schwachwachsende Kirschsorten geeignet. Auch wenn diese Vorgehensweise bei zu großen Bäumen in ihrer Gesamtheit nicht funktioniert, kann man immerhin noch einzelne starktragende Äste mit einem Netz umspannen und dadurch wenigstens einen Teil der Ernte schützen.

Sind die Maden der Kirschfruchtfliege erst einmal in die Früchte eingedrungen, ist jede Gegenmaßnahme zwecklos. Jetzt kommt es nur noch darauf an, einen Befall im nächsten Jahr vorzubeugen, indem man eine Verpuppung der Schädlinge im Boden verhindert. Ernten Sie die Bäume komplett ab. Achten Sie darauf, dass auch alle nach der Ernte noch an den Ästen hängengebliebenen Fruchtmumien mit gepflückt werden, die nicht von allein zu Boden gefallen sind. Sie müssen genauso konsequent aufgelesen werden wie alle bereits am Boden liegenden und vorzeitig abgefallenen Kirschen. Am einfachsten geht dies, wenn Sie den Wurzelbereich des Kirschbaums mit einer Folie oder einem Vlies abdecken. Auf diese Weise können Sie die Früchte nicht nur problemlos aufsammeln – sie versperren den Larven auch den Weg ins Erdreich. Umgekehrt verhindert eine im Frühjahr ausgebrachte Abdeckung, dass die schlüpfenden Fliegen den Boden überhaupt verlassen können. Da manche Puppen aber wie bereits erwähnt länger als ein Jahr im Boden überdauern können, stellt sich ein durchschlagender Erfolg meist erst nach 2–3 Jahren ein.

Da überwiegend nur mittel- und spätreifende Sorten befallen werden, ist es bei Neupflanzungen ratsam, auf frühreifende Kirschen zurückzugreifen. Sie bleiben in der Regel verschont, da sie zum Zeitpunkt der Eiablage meistens schon zu weit in ihrem Reifeprozess fortgeschritten sind. Alternativ kann es hilfreich sein, den Boden mit einer Mulchschicht zu bedecken. Die isolierende Wirkung verzögert die Erwärmung der Erde und damit auch das Schlüpfen der Kirschfruchtfliegen.

Gärtner Pötschke

Häufiges Auftreten und Vorkommen der Kirschfruchtfliege

Die Kirschfruchtfliege ist mit Abstand der bedeutendste Schädling im Süßkirschenanbau. Neben der einheimischen Europäischen Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) tritt dabei seit einigen Jahren auch verstärkt die Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata) auf. Bedroht sind jedoch nicht nur Süßkirschen – in seltenen Fällen ist auch ein Befall an Heckenkirschen, Sauerkirschen, Schneebeeren, Traubenkirschen und Vogelkirschen zu beobachten. Ihre Nähe sollte wenn möglich vermieden werden.



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