Unkraut - so klappt es mit der Bekämpfung

Unkraut oder Wildkraut?

„Unkräuter“ werden sie noch immer genannt, Wildkräuter, die sich in Gärten einfinden, ohne dass sie ausgesät wurden. Dabei sind sie alles andere als „Un-Kräuter“. Viele dieser Wildkräuter helfen Mensch und Tier, haben heilsame Kräfte oder sind lebensnotwendige Wirtspflanzen von Schmetterlingen und anderen Insekten. Einige der Unkräuter helfen sogar, im Garten Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen, wie zum Beispiel Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Kamille oder Rainfarn. Deshalb sollte man besser sagen: „Wildpflanzen sind keine Unkräuter, aber Konkurrenten unserer Pflanzenarten.“

Pro und Kontra von Unkraut

Unkräuter, die sich von allein und ungebeten in Gärten einfinden, sind meistens hier heimisch oder als sogenannte Kulturfolger schon viele Jahre bei uns vertreten und optimal an die hier herrschenden Lebensbedingungen angepasst. Boden und Klima bieten ihnen die idealen Voraussetzungen, weshalb sie sich auch sehr stark vermehren. Ausgesäten oder liebevoll gepflanzten Pflanzen sind Unkräuter deswegen auch im Wachstum weit überlegen. Und genau hier liegt das Problem: Unkraut unterdrückt die Kulturpflanzen und nimmt ihnen Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe. Aus diesem Grund müssen Wildkräuter überall dort, wo sie in Konkurrenz zu Gartenpflanzen treten, entfernt werden.

Wissenschaftler haben errechnet, dass Unkraut mit einer Trockenmasse von 50 kg während eines Sommers allein 20.000 bis 25.000 Liter Wasser aus dem Boden aufgenommen und verdunstet hat. Dieses Wasser steht z.B. Ziergehölzen und Obstgehölzen, Stauden oder Ziergräsern nicht mehr zur Verfügung! Außerhalb der normalen Anbauflächen bieten „verwilderte“ Ecken aber vielen Kleintieren und Insekten Futter und Unterschlupf. Überhaupt sind alle aufgerufen, einen Beitrag zum Schutz und Erhalt unserer Umwelt zu leisten. Am einfachsten geht dies, indem man wild lebenden Tieren und Pflanzen in Gärten neuen Lebensraum schafft, der im Zuge von Flurbereinigung, Flächenversiegelung und Bebauung immer mehr abgenommen hat. Das geht z.B. durch das Pflanzen von Bienenfutterpflanzen und anderen Insektenweiden, die Krabbeltiere anlocken und mit Nahrung versorgen. Die Insekten sind wiederum Lebensgrundlage für etliche Vogelarten, die nur bei ausreichendem Nahrungsangebot zurück in die Gärten finden werden. Zudem sollten für die Singvögel Nistkästen aufgehangen oder noch besser natürliche Nistplätze geschaffen werden.

Trotz alledem heißt die Parole nicht: „Ich ernte nur das, was Schädlinge, Krankheiten und Wildkräuter übrig lassen.“ Alles müssen Sie sich nicht gefallen lassen. Aber was tun? Unkraut wächst meist sehr schnell, schneller als die Kulturpflanzen. Also müssen Sie vor allem nach dem Aussäen früh mit dem Hacken und Jäten anfangen. Hilfreich und Verwechslungen vorbeugend ist die Reihensaat im Freiland: Markiersaat hilft dabei, die Reihen sicher wiederzufinden. Es ist ganz entscheidend, dass Aussaaten von Anfang an wildkrautfrei gehalten werden, völlig aus dem Garten verbannen lassen Wildkräuter sich jedoch nicht, denn der Wind trägt Samen über weite Strecken, und auch Vögel schleppen immer wieder Wildsamen ein. Dieser keimt schnell und die Pflanzen wachsen stark. Es ist ein Naturgesetz, dass jedes Lebewesen zur Arterhaltung beiträgt. Eine einzige Hederichpflanze produziert beispielsweise 10.000 Samenkörner, eine Distel 15.000 und Klatschmohn sogar 50.000 Samen!

Der richtige Zeitpunkt zum Unkraut bekämpfen

Ist erst einmal eine Aussaat im Unkraut untergegangen, wird es sehr mühevoll, die wüchsigen Wildkräuter zwischen den zarten Keimlingen der Kulturpflanzen zu entfernen. Die Kulturjungpflanzen leiden meist, da ihre Wurzeln beim Herausziehen der Wildkräuter verletzt werden: viele junge Pflanzen gehen dabei zugrunde. Daher sollten Sie nach dem Jäten immer sofort gießen, damit die feinen, nun locker im Boden hängenden Wurzeln wieder Bodenschluss bekommen. Erst danach wird gehackt. Die oberste, gelockerte Bodenschicht kann dabei einfach liegen bleiben, was auch eine zu schnelle Austrocknung der Krume verhindert.
Manches Unkraut vermehrt sich durch Wurzelstücke, die im Boden geblieben sind. Besonders beim Graben mit einem Spaten werden die Pflanzenwurzeln in viele kleine Einzelstücke zerteilt, von denen jedes einzelne wieder neu austreibt. So mancher Gärtner kann ein Lied davon singen, wie schwer es beispielsweise ist, einmal eingeschleppten Giersch wieder aus dem Garten zu verbannen. Deshalb beim Graben im Herbst oder Frühjahr jedes Wurzelstück einsammeln und in den Biomüll werfen, keinesfalls auf den Kompost, der wäre nur ein Zwischenlager. Wer sichergehen will, muss die Erde sieben und jedes Stück sorgfältig auslesen – mühsam, aber auf Dauer Erfolg versprechend.

Viele Unkräuter sind übrigens nicht nur Nährstoffkonkurrenten unserer Kulturpflanzen, sondern auch Wirtspflanzen für eine große Zahl von Schädlingen und Krankheiten. Ein Beispiel ist das Hirtentäschelkraut, das den Erreger der Kohlhernie überträgt. Lässt man solches Unkraut zwischen den Kulturpflanzen stehen, wird er auch sehr schnell darauf zu finden sein.



Unkraut bekämpfen - geht es auch leichter?

Immer wieder suchen Gartenbesitzer Wege, die das mühsame Hacken und Jäten im Garten überflüssig machen. Leider gibt es kein Wundermittel gegen Unkraut, es wäre auch zu schön. Sicher wird es ein Wunschtraum des Gärtners bleiben, denn chemische Mittel zum Pflanzenschutz (Herbizide) sind nur ganz beschränkt im Garten einsatzfähig, da sie nicht zwischen Kulturpflanzen und Wildkräutern unterscheiden. Leider gibt es keine chemischen Mittel, die nur die unerwünschten Pflanzen bekämpfen. Deshalb werden in der Landwirtschaft diese Herbizide nur für Monokulturen eingesetzt. Dort können sie keinen so großen Schaden anrichten wie auf kleinen Gartenflächen mit vielen verschiedenen Kulturpflanzen. Es bleibt also für das Beet im Garten nur fleißiges Unkraut jäten und hacken: dies kostet kein zusätzliches Geld, und die Gartenarbeit hilft, den Körper fit zu halten. Außerdem werden so nicht noch zusätzliche chemische Stoffe in den Boden eingebracht, von der Belastung unserer Nahrung einmal ganz abgesehen. Etwas anderes ist die Vorbehandlung von brachliegenden Flächen mit sogenannten Totalherbiziden. Die töten alle getroffenen Pflanzen, also auch Wurzelunkräuter wie z.B. Giersch ab. Das kann bei Neuanlagen durchaus sinnvoll sein.

Tipps zum Unkraut jäten

Die Bekämpfung von Unkraut im Garten ist eine wahre Sisyphusarbeit und will schier kein Ende nehmen. Einige bewährte Tipps und Hinweise sollen helfen, Ihnen die Arbeit zu erleichtern und eine zu große Ausbreitung der Wildkräuter zu verhindern. Besonders wichtig: Jäten Sie rechtzeitig, solange die Wildpflanzen noch klein sind und sich gut herausziehen lassen. Dies ist der einfachste und sicher erfolgreichste Weg der Unkrautbekämpfung im Garten.

Ziehen Sie die Wildkräuter als junge Pflanzen, dann haben sie erst geringe Mengen Nährstoffe und Wasser aus dem Boden verbraucht. Auch stören die kleinen Wurzelballen beim Herausziehen nicht die umgebenden Kulturpflanzen. Jeder weiß, dass sich Unkraut bei feuchtem Boden leichter und einfacher entfernen lässt, als auf trockenem Boden. Warten Sie daher einen Regenschauer ab oder wässern Sie den Boden vor dem Jäten.

Wurzelunkräuter sind mitsamt dem oft stark verzweigten Wurzelballen zu entfernen. Da die Wurzeln häufig bis in die tieferen Schichten reichen, müssen dort sämtliche auch noch so kleine Wurzelstücke entfernt werden. Beim Umgraben sind sie sorgfältig einzusammeln. Wer nicht hartnäckig genug hinter diesen Plagegeistern her ist, wird schnell unangenehme Überraschungen mit ihnen erleben. Besonders an Stauden, die schon mehrere Jahre an einer Stelle stehen, wachsen z. B. Quecke, Ackerwinde, Geißblatt und Löwenzahn prächtig und nisten sich mit ihren Wurzeln in deren Wurzelballen ein. Das gilt auch für Ziersträucher, Obstbäume und Obststräucher. Insbesondere die Randstreifen des Rasens sind Ausgangsort für die Ausbreitung auf den Beeten.

Tricks, die die Arbeit erleichtern

Eine vorbeugende und sehr wichtige Maßnahme beim Unkraut bekämpfen ist das Mulchen, auch und besonders auf den Beeten. Mulchen dämmt Wildwuchs ein und erhält die Bodenfeuchtigkeit und -beschaffenheit. Zum Mulchen muss der Boden feucht und warm sein, trockene Böden werden vorher gewässert. Gemulcht wird zu Beginn der Wachstumsperiode, dann sind die einjährigen und flach wurzelnden Unkräuter bis zum Herbst eingegangen.
Tief wurzelnde Unkräuter wie Winde, Ampfer und Löwenzahn sind hartnäckiger. Hier kann mehr als ein Jahr vergehen, bis Sie die Plagegeister los sind. Zum Mulchen eignen sich spezielle Folien, Kompost, Gras und Heu (Vorsicht, schnell sind neue Samen eingeschleppt), Stroh, Rinden verschiedener Bäume oder gehäckselte Schnittabfälle. Ein weiterer Trick ist das frühzeitige Saatbeet. Dazu decken Sie die Beetfläche mit Glas oder Folie ab. Die nun wachsenden einjährigen Wildkräuter jäten Sie nach zwei Wochen, danach können Sie aussäen. Damit ist die Konkurrenz erst einmal ausgeschaltet.

Eine Wildkrautbekämpfung mit chemischen Mitteln im Garten soll nur stattfinden, wenn alle anderen Methoden versagen. Bei der Anwendung von Herbiziden müssen Sie sich streng an die Vorschriften des Herstellers halten. Auch beim Sprühen ist Vorsicht geboten: Schon leichter Wind treibt feine Tropfen auf Flächen, die mit Nutzpflanzen bestellt sind und dann ebenfalls eingehen. Verzichten Sie daher wenn möglich auf die Anwendung von chemischen „Hacken“, denn mit der Chemie bringen Sie auch wieder neue unnötige Schadstoffe in die Erde. Nicht fachmännische Anwendung kann mehr Schaden als Nutzen bringen.

Die 5 besten Tipps gegen Unkraut



<  Zurück

Nach oben